Stellungnahme des Netzwerks Flucht, Migration und Behinderung – Zur Finanzierung qualitativer Dolmetschleistungen für Menschen mit Behinderung bei medizinischer Behandlung

Um für die Situation zugewanderter Menschen mit einer Behinderung zu sensibilisieren, entstand im Jahr 2018 das bundesweite Netzwerk Flucht, Migration und Behinderung. Seither engagieren sich hier Organisationen, die schwerpunkthaft an der Schnittstelle Migration und Behinderung tätig sind.

Auf Basis eines regelmäßigen Fachaustausches möchte das Netzwerk Veränderungen der Verwaltungspraxis und Gesetzgebung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention anstoßen.

In einer gemeinsamen Initiative weisen Mitglieder des Netzwerkes in einem ausführlichen Positionspapier nun auf die unzureichende Finanzierung qualitativer Dolmetschleistungen für Menschen mit Behinderung im medizinischen Kontext hin, denn:

  • Menschen mit Behinderung ist es aufgrund von Sprachlernbarrieren in Wechselwirkung mit ihrer Beeinträchtigung oft nicht möglich, ein für die sprachliche Komplexität medizinischer Behandlungssituationen ausreichendes Deutsch zu erlernen.
  • ohne Sprachmittlung bleibt ihnen der volle Zugang zu ihrem grundlegenden Recht auf Gesundheit versperrt.

Das Netzwerk beschreibt in der Stellungnahme die aktuelle (defizitäre) Situation und stellt folgende zentrale Forderungen auf:

  1. Festschreibung auf ein allgemeines Recht auf Übernahme der Kosten von qualitativen, leistungsgerecht honorierten Dolmetschleistungen im medizinischen Sektor (ambulant und stationär).
  2. Verkürzung der Bearbeitungszeiten von Anträgen auf Kostenübernahme qualitativer Dolmetschleistungen.
  3. Barrierefreie Gestaltung des Zugangs zu Dolmetschleistungen und ihrer Finanzierung.

Um dieses Anliegen, auch mit Blick auf die Bundestagswahl 2021 zu stärken, lädt die Initiative alle interessierten Organisationen zur Mitzeichnung des Papieres ein.