Positionspapier zu Integrationssprachkursen des Netzwerks Flucht, Migration und Behinderung
Ein Positionspapier, erarbeitet im bundesweiten Netzwerk Flucht, Migration und Behinderung und getragen von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen
Das bundesweite Netzwerk Flucht, Migration und Behinderung ist ein unabhängiger, freiwilliger und kooperativer Zusammenschluss von Akteur*innen, die schwerpunkthaft an der Schnittstelle Flucht, Migration und Behinderung tätig sind. Gemeinsam setzen sich die Teilnehmer*innen für eine Verbesserung der Lebensbedingungen von geflüchteten und migrierten Menschen mit Behinderungen ein.
Einleitung
Sprache ist Grundvoraussetzung für Teilhabe. Ohne sie fällt es schwer, Freundschaften zu knüpfen, eigenständig Einkäufe und Behördengänge zu erledigen, sich in Vereinen, dem Ehrenamt zu engagieren oder Arbeit zu finden. Dies gilt auch und insbesondere für geflüchtete Menschen mit Behinderungen.
Sie sind integraler Bestandteil unserer Gesellschaft, ungeachtet dessen, ob behinderungsspezifische Barrieren ihren Zugang zum Arbeitsmarkt verhindern oder nicht. Politische und kulturelle Teilhabe, und somit auch Spracherwerb, darf nicht allein an wirtschaftliche Produktivität im Sinne einer reinen Leistungsgesellschaft geknüpft sein. Auch die Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) garantiert u. a. Gleichberechtigung (Art. 5), Zugänglichkeit (Art. 9), Bildung (Art. 24) und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (Art. 29 f.). Wenn geflüchtete Menschen aufgrund ihrer Behinderungen von Bildungsmaßnahmen ausgeschlossen werden, ist zudem der Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes (Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG) berührt.
Die unterzeichnenden Organisationen begrüßen den Willen der neuen Bundesregierung, „mehr in Integration [zu] investieren“ und „Integrationskurse fort[zu]setzen.“1 Wir appellieren an die neue Bundesregierung bei diesen Bemühungen die Bedarfe geflüchteter und migrierter Menschen mit Behinderungen nicht außer Acht zu lassen und Spracherwerb nicht allein auf wirtschaftlichen Wert auf dem Arbeitsmarkt auszurichten. Das bedeutet vor allem: Die Rahmenbedingungen für Integrationssprachkurse müssen so verändert werden, dass geflüchtete Menschen mit Behinderungen in ihnen erfolgreich Deutsch lernen können.
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